Start Reading

Die Tochter des Hufschmiedes: Ballett. Mittelalter. Orient. Und das Krächzen einer Melodie des Todes.

Ratings:
292 pages3 hours

Summary

Das Tanzen wurde dem Mädchen in die Wiege gelegt. Ein Talent, das in seiner ländlich strukturierten Heimat auf wenig Gegenliebe stößt. Ihre Mutter steht zu ihr und fördert sie. Als die Pubertät zeigt, dass aus dem grazilen Mädchen eine schöne weibliche Frau wird, rät der Ballettmeister ihr, ihre Tanzkarriere aufzugeben. Nicht einfach: Nach einer längeren Sinnsuche beginnt sie, sich im Mittelaltertanz zu engagieren, übt sich im orientalischen Bauchtanz, und tanzt sich in die Herzen der Männer, begleitet von einer beängstigenden Melodie des Todes. - Bauchtanz in seiner klassischen Form erzählt, wie kein anderer Tanz, vom Werden und Vergehen des menschlichen Seins. - Ist es pure Arterhaltung? Sind es ethische Werte oder doch die Liebe, die das Dazwischen dominieren? Aalisha, die ägyptische Bauchtanzlehrerin, hat dazu ihre ganz eigene Sicht:

„Liebe ist ein Gut, das schön, kultiviert, aber furchtbar dekadent und sehr kompliziert ist, im Überlebensplan unseres menschlichen Seins ursprünglich gar nicht vorgesehen: Unsere ganz alten Vorfahren sind durch das Paradies geschlichen, die gesunden Männchen immer nach einer vielversprechend duftenden Vulva schnüffelnd, um in sie einzudringen und ihren Samen in einem rücksichtslosen 'Quicky' weiter zu geben. Die dafür überwältigten Weibchen hatten Glück, wenn der Samenspender in ihr Wertesystem von Gesundheit und Stärke passte. - Danach widmete er sich wieder der Jagd und sie gebar und versorgte ihren Nachwuchs. Ab und zu schaute er vorbei und kopulierte erneut, da er ja kapiert hatte, dass sein Samen in einer fruchtbaren Vulva verschwand. Das hatte nichts mit Liebe - dafür hatten sie im Paradies gar keine Zeit und Muse - sondern nur mit dem Überleben ihrer Art zu tun. - Scheint aber alles funktioniert zu haben – ganz ohne Liebe.

Liebe ist also ein kultivierter Zeitvertreib der aus dem Paradies Vertriebenen, die dann hier auf Erden, dem Vorhof zur Hölle, wie die klerikalen Menschenfänger uns glauben machen wollen, sesshaft wurden, redlich für ihr Brot, nicht mehr den dauernden Lebensgefahren ausgesetzt, auf den Feldern arbeiten konnten und dabei bequem und wählerisch ihre Partner selektierten.“

Aalisha nahm eine Miene der Verzweiflung an. „Allerdings leiden die meisten Männer seither unter Realitätsverlust: Sie sind in ihrem Selbstverständnis, im Umgang mit uns Frauen, immer noch Jäger.“ Sie lachte selbst über ihre zurechtgelegte Sichtweise.

Read on the Scribd mobile app

Download the free Scribd mobile app to read anytime, anywhere.