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Wenn die Seele auf den Geist geht: Zur Tiefenpsychologie der Philosophiegeschichte

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Summary

Chronik der unbewussten Weltbilder Europas

Sigmund Freud meinte, ´dass Philosophie eine der anständigsten Formen der Sublimierung verdrängter Sexualität, nichts weiter, ist.´ Am 28. 10. 1908 gab Freud in seiner Wiener Berggasse der berühmten ´Mittwochgesellschaft´ z.B. zu Protokoll über Friedrich Nietzsche :
´Durch die Krankheit vollständig vom Leben abgeschnitten, wendet er sich auf das einzige Forschungsobjekt, das ihm geblieben ist und das ihm als Homosexuellen ohnehin näher lag, an das Ich. - Und da beginnt er mit großem Scharfsinn, gleichsam in endopsychischer Wahrnehmung, die Schichten seines Selbst zu erkennen. Er macht eine Reihe glänzender Entdeckungen an seiner Person. Aber nun kommt die Krankheit: Er begnügt sich nicht damit, diese Zusammenhänge richtig zu erraten, sondern er projiziert die Erkenntnis, die er an sich gemacht hat, als Lebensanforderung nach außen. Das Lehrhafte, Pastorale, das in ihm vom Christus-Ideal steckt, kommt zu seiner psychologischen Einsicht hinzu ... Was ihn zu dieser ganz außergewöhnlichen Leistung befähigt hat, durch alle Schichtungen hindurch die Triebe zu erkennen, ist der Auflockerungsprozeß durch die (Lues-)Paralyse.´

Auch wenn niemand diesem programmatischen Reduktionismus mehr folgen möchte, wurden die Chancen einer Anwendung der Tiefenpsychologie nicht nur auf Neurosen, Träume und Mythen, sondern auch auf 'tief(gründig)e' Gedanken und ganze begriffliche Gedankengebäude noch gar nicht recht ernst genommen.

Die Arbeit geht aus von der These, dass Philosophie noch kaum ausgeschöpft hat, was sie von Psychologen profitieren könnte. Diese philosophischen Überlegungen in psychologischen Auslegungen versuchen, nicht die prominenten Denker, sondern die einflussreichsten Wendepunkte der europäischen Philosophiegeschichte ein wenig zu psychoanalysieren.

I N H A L T :

Platon und Aristoteles (griechische Antike)
Hellenistisches Philosophieren
Augustinus, Thomas von Aquin und andere mittelalterliche Denker
Descartes und Pascal (Beginn der Neuzeit)
Spinoza und Leibniz (Rationalismus)
Rousseau (Aufklärung)
Kant und Fichte (klassischer Idealismus)
Marx (Empirismus, Materialismus)
Schopenhauer und Nietzsche (moralistische Lebensphilosophie)
Jaspers und Sartre (Existenzphilosophie, Phänomenologie)
Bloch und Adorno (Sozialphilosophie)
Wittgenstein (analytische Philosophie)
Anhang : Kurzlesebuch des philosophischen Eros

Anhang : Kurzlesebuch des philosophischen Eros

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