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Abrechnung: Zivilisationskritische Betrachtungen

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Summary

Ein verwundertes Nachwort: Als ich die 'Abrechnung' schrieb, im wesentlichen vom Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre und später noch einen Anhang, zeichnete sich schon ab, dass im wesentlichen die kapitalistische Gesellschaft ein Schnellzug ist, der gegen die Wand gefahren wird. Man sah das dunkle Ende aus der Ferne, es war weit weg. Jeder der etwas genauer hinschaute, konnte hingegen Bescheid wissen, es war kein wirkliches Geheimwisssen dafür nötig, nur ein klarer Blick und ein Verstand, der sich vom Propagandagetöse der herrschenden Klasse, die die schöne neue Welt versprach, nicht irritieren ließ. Umso lächerlicher die Überraschung der Politikerkaste über die Tatsache, dass deregulierte Märkte, zügelloser Raubbau an den Ressourcen der Erde und repressive und demoralisierende Lebensumstände zu einem Untergang der Kultur und althergebrachter Lebensart führen würde, zu einer Gesellschaft in Auflösung und Verfall. Eine spöttische Zunge nannte den Kapitalismus der Gegenwart einen Sozialismus für die Reichen und Superreichen: die Gewinne werden von der herrschenden Klasse eingesackt, die Unkosten und Verluste dagegen werden sozialisiert. Wie dem auch sei, es geschieht immer das, was der herrschenden Klasse nutzt und dies bedeutet, dass die, die am Drücker sitzen, auch dafür sorgen, dass es so bleibt wie es ist und wenn die Welt dabei in Stücke geht. Auf die Schnelle das Versprechen in die Ferne gerückt, wird so aus dem Schlagwort "Wohlstand für alle" ein Reduktionsprogramm von "gleicher Bildungschance für alle" und es wartet dabei natürlich auf uns alle der Sanktnimmerleinstag, dass es sich später auszahlen möge, während vorerst die Rhetorik, 'du bist selber schuld, weil du dumm und faul bist', als vorauseilendes Erklärungsmuster eingeübt wird, um schon mal zu zeigen, woran es bei "allen" am Ende dann gehapert hat. Gemeint ist: zieht euch warm an, für euch wird nichts mehr übrig bleiben. Wer hier in diesem Land sein Schärflein noch nicht ins Trockene gebracht hat, wird es zu nichts mehr bringen. Wer unten ist, wird es auch bleiben. Nunja, auf diesem Bodensatz blühen Korruption und Zynismus allemal. Die Wirklichkeit ist recht einfach, die korrupte Politikerkaste hat noch einmal in einer gewaltigen Anstrengung die herrschende Klasse unter dem Stichwort 'Globalisierung' in eine Ausgangsposition gepuscht, die es ihr ermöglichte, sich die Welt ein letztes Mal zügellos auf eigene Rechnung anzueignen, paßgerecht nämlich im Weltmaßstab, um es in die Lage zu versetzen, sich von der hiesigen Bevölkerung und allen regionalen Bindungen und Beschränkungen abzukoppeln. Die Bevölkerungsmehrheit bezahlt für die Privilegien der Reichen mit einer Verunsicherung oder gar Zerstörung ihrer Lebensumstände. Was Fortschritt war, wird zum Unterdrückungsinstrument. Aus dem Reich der Freiheit wird der Überwachungsstaat, der die kleinen Leute in Schach hält, um sie so schutzlos ausgeliefert, als Verfügungsmasse weiterhin dem Kapitalinteresse zuzuführen.

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