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Mit Zuversicht durch den alten Horizont ins Neue

Nackt stand ein Mädchen auf der Wiese.


Es regnete und es bildete sich Dampf.
Das Mädchen umschlang ihren Körper mit den Armen und fröstelte.
Sie blickte nach allen Seiten.
Niemand da- also kein Grund zur Scham.
Sie schaute empor, erblickte nur Grau.
Kein Licht war dort oben zu sehen.
Die Wolken, dick und traurig, blockten die Wärme ab.
Das Mädchen streckte den Arm aus und hielt ihn gen Himmel.
Ihre Hand versuchte das Obere zu ergreifen,
doch die Distanz war zu groß.
Sie sah sich nun den Boden an.
Alles sauber, rein, nass und gewaschen.
Sie setzte sich hin, genoss die Regentropfen an den Grashalmen.
Die Perlen rollten ihren Körper herab.
Dann legte sie sich hin. Sie breitete die Arme aus und schaute empor.
Sie schloss die Augen und lächelte.
Da kam ein Lichtstrahl und wärmte sie.
Nie war sie dem Himmel so nah gewesen.

Da lag sie am Boden und schien dennoch oben zu sein.


Sie stand auf und schien sich wieder zu entfernen.
Doch der dünne Lichtstrahl hatte sie so tief berührt, sodass sie wieder ganz lächelte.
Sie ging spazierend durch die Wiese und schwebte beinah.
Sie breitete sie Arme aus und berührte die Perlen vom Himmel.
Es waren zwar alles Tränen, doch als sie ihre Handflächen berührten,
bildeten sich Seen und das Wasser nahm ihre Farbe an.
Sie leuchteten in ihrer Farbe und hatten nun Charakter.
Das Mädchen schloss die Hände zu Fäusten, streckte beide nach oben und lachte.
Sie lachte aus tiefstem Herzen, rief Danke und weinte ebenfalls.
Dann rannte sie, weit weg, zum höchsten Punkt der Wiese.
Sie erreichte ihn und sprang.

Sie sprang und in dem Moment brach die Wolkendecke.


Das Licht umhüllte sie, trug sie, spann ihr ein Kleid.
Golden, wie das Licht und sanft wie reinste Seide.
Sie erreichte den Boden, das Kleid schwebte um ihren Körper,
verließ sie nur in schmalen Fäden.
Mit funkelnden Augen ging das Mädchen weiter,
immer geradeaus und erreichte den Horizont.
Sie berührte ihn und er dehnte sich mehr aus.
Lächelnd ging sie ins neue Gebiet.
Das einzige, was jedoch fehlte, war ihr Buch.
Ihr Buch voller Wünsche, Ideen und Sprüche- ihr Wissen.
Sie hatte in ihrem Buch alles notiert, was sie erlebt und gelernt hatte.
Sie drehte sich um und sah sich nach diesem Buch um.
Doch in dem Moment flossen die Fäden ihres Lichtkleids zusammen und bildeten ihr Buch.
Sie umarmte es und ging sodann weiter, durch den alten Horizont.

Celine Katter