You are on page 1of 1

„Keinen Meter“ Bremen, 11.01.

11
c/o Infoladen Bremen
St.-Pauli-Str. 10-12
28203 Bremen

Presseerklärung
Antifaschistisches Bündnis „Keinen Meter“ geht in die Startlöcher – Ziel ist eine antirassistische Kampagne für Bremen
und die Verhinderung des Nazi-Aufmarschs am 1. Mai 2011

Kurz nach Bekanntwerden der geplanten „Bremen-Offensive“ der frisch fusionierten Nazipartei „NPD – Die Volksunion“ hat
sich ein größerer Kreis aus antifaschistischen und antirassistischen Initiativen zusammengefunden, um diese Offensive zu
einem Desaster zu machen.

Unser Ziel ist nicht nur die Verhinderung der geplanten Nazi-Veranstaltungen am 1. Mai, sondern auch, möglichst keine
Wahlkampf-Aktion der Nazis ungestört vonstattengehen zu lassen. Die letzten Versuche der NPD in Bremen aufzulaufen,
namentlich 1999 und 2006, scheiterten weitgehend am starken Gegenwind. Damals hatten die antifaschistischen Bündnisse
„No Nazis“ bzw. „Keinen Meter“ zu Demonstrationen aufgerufen, an denen sich viele Bremer_innen beteiligten. 1999
wurde der NPD-Aufmarsch daraufhin abgesagt. 2006 durchbrachen mehrere tausend Menschen eine Polizeikette, die die
NPDler schützen sollte, und stoppten so deren Aufmarsch.

An diese Erfahrungen knüpfen wir nicht nur mit dem Namen an. Viele von uns waren in die Vorbereitung der
Gegenaktivitäten der vergangenen Jahre involviert. Wie 2006 nehmen wir auch 2011 die Parole „Keinen Meter“ ernst. Die
Idee bleibt, sich den Nazis mit möglichst vielen Menschen in den Weg zu stellen und einen Aufmarsch so zu verunmöglichen.
Das gleiche gilt für den Wahlkampf der NPD. Auch hier ist es mit großer Beteiligung und Unterstützung möglich,
Wahlkampfstände zu blockieren, Nazipropaganda zu entsorgen und so das Werben für antisemitische, rassistische und
nationalsozialistische Positionen zu einem schwierigen und unangenehmen Unterfangen zu machen.

Doch dabei soll es nicht stehen bleiben. Menschenverachtende Positionen allein den organisierten Nazis aus der NPD
zuzuschreiben, verstellt den Blick auf bedrohliche Entwicklungen, die sich jenseits der rechten Parteien abspielen.
Rassismus und Antisemitismus haben hierzulande eine große Basis quer durch alle politischen Richtungen.

Im Zuge einer angeblichen Integrations-Debatte, die vor allem rassistische Vorurteile wiederkäut, werden Armut,
Arbeitslosigkeit, Gewalt oder Bildungsversagen nicht mehr als Resultat gesellschaftlicher Zustände und einer
jahrzehntelangen Politik der Ausgrenzung wahrgenommen, sondern als Folgen „kultureller Eigenschaften“ von
Migrant_innen und Muslim_innen.
Nichtstaatliche Bildungs- und Unterstützungsangebote, die ohnehin meist nur prekär existieren, werden mit dieser
Argumentation zusammengestrichen, Migrant_innen und Arme weiter gesellschaftlich isoliert, soziale Ungleichheit
verschärft sich. Laute Gegenstimmen bleiben bisher weitgehend aus.
Wir erleben den Aufstieg offen antisemitischer und rassistischer Parteien in vielen europäischen Ländern, die tödlichen
Konsequenzen der europäischen Abschottungspolitik gegen Flüchtlinge an den Außengrenzen, Wellen der Gewalt gegen
Sinti und Roma wie in Italien, Tschechien und Ungarn. Laute Proteste bleiben bisher weitgehend aus.
Mit dem 1. Mai 2011 im Blick wollen wir deshalb mit vielen anderen Besorgten und Wütenden zusammenkommen und
gemeinsam aktiv werden. Wir wünschen uns ein vielfältiges Aufbäumen nicht nur gegen den Wahlkampf der NPD, sondern
auch gegen andere Ausdrucksformen von Rassismus, Antisemitismus und sozialer Ausgrenzung. Wir planen
Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Konzerte, Gespräche mit Überlebenden des Nationalsozialismus, Filmreihen
und vieles mehr. Und wir hoffen auf gute Zusammenarbeit mit Schulen, Jugendzentren, Gewerkschafter_innen und vielen
anderen.

Für ein antifaschistisches Frühlingserwachen – das Spielfeld ist eröffnet!

Bündnis „Keinen Meter“

Rückfragen unter: akbremen@gmx.de


Tel: 0162/3369796